Teilgeber

Markus Rauscher

Markus Rauscher

Digital Learning Expert

Impuls – 

Praxisbericht: Kooperation und Kollaboration im berufsbegleitenden Blended-Learning-Studium mit Slack

Impuls – Praxisbericht: Kooperation und Kollaboration im berufsbegleitenden Blended-Learning-Studium mit Slack

 

In den Jahren 2016 bis 2018 absolvierte ich das berufsbegleitende Studium „eEducation“ an der Donau-Universität Krems, welches die Konzeption und Gestaltung digitaler Lernangebote unter methodisch-didaktischen und bildungstechnologischen Aspekten vermittelt. Das Studium selbst ist ein Blended-Learning-Lehrgang mit einer zwei- bis dreitägigen Präsenzphase pro Modul – der Rest spielt sich online ab. Das Curriculum beinhaltete zahlreiche Gruppenarbeiten und eine gemeinsame Projektarbeit. Da die Studierenden durchwegs über entfernte Standorte verteilt waren (Wien, Tirol, Deutschland, Afrika, …) stellten gerade die Onlinephasen und die Koordination und Kooperation über das Internet in den Gruppenarbeiten über das Internet eine große Herausforderung dar.

Als zentrale Plattformen für die Organisation der Module, sowie der Kommunikation in den Onlinephasen und Bereitstellung der Lernprodukte wurden Moodle und Mahara eingesetzt. Bei der ersten Gruppenarbeit zu viert bemerkte ich, dass uns diese Tools nicht ausreichend unterstützten: Die Kooperation übers Internet gestaltete sich umständlich. Ein berufsbegleitendes Studium im Blended Learning Format bedeutet große Herausforderungen hinsichtlich Selbstorganisation und Zeitmanagement.

  • Beruf, Familie, Studium – alles soll unter einen Hut gebracht werden
  • Kontexte und Orte greifen ineinander und verschwimmen
  • Gruppenarbeiten erfordern viel Organisation und Kommunikation in der Gruppe
  • Persönliche Treffen waren bei uns selten möglich

Daher suchte ich nach einem Werkzeug, dass uns auch über die Distanz und an wechselnden Standorten besser verbindet und uns mehr Flexibilität bieten kann. Ich begann mich mit Slack auseinanderzusetzen, denn ich kannte das Werkzeug bereits aus diversen Artikeln und Beiträgen im Zusammenhang mit IT und New Work. Der Praxisbezug war mir wichtig, deshalb setzte ich das Tool in unseren Gruppenarbeiten ein und probierte viel aus. Wir kamen gut zurecht und gingen auch die Koordination unserer Projektarbeit über Slack an.
Das Thema weckte mein Interesse und beschloss, mich der Sache auch wissenschaftlich zuzuwenden: Im Rahmen meiner Master Thesis untersuchte ich die Potentiale von Slack für den Einsatz als Werkzeug in der Hochschule aus der Perspektive von Lernenden im Vergleich zu Moodle. Dabei ging es mir um die Erforschung der subjektiven Erfahrungen der Lernenden unter Berücksichtigung bildungstechnologischer Aspekte. Dafür wertete ich Kennzahlen aus dem System aus und analysierte Interviews mit drei beteiligten Studierenden zu deren Erfahrungen und Benutzererlebnis: Alle gingen zu einer Intensivierung der kooperativen und kollaborativen Arbeit in Slack über und reduzierten die Nutzung von Moodle. Die Rolle von Moodle reduzierte sich auf jene einer Zentrale für organisatorische Informationen durch die Hochschule und einer Sammelstelle für die Endprodukte.

 

Abbildung 1: Wöchentliche Aktivität der User September 2016 – Jänner 2018. Quelle: Analysemodul von Slack. Stand 26.01.2018

Was ist Slack?

Slack ist eine sogenannte Team Communication Platform (TCP) und vereint damit mehrere Genres von Software: Instant Messaging (IM), Gruppenkonversationen, Social Network Platforms (SNPs) und hohe Integrierbarkeit von IT-Werkzeugen von Drittherstellern durch Apps (Anders 2016, S. 226; Goldgruber et al. 2016, S. 130; Gomes 2016). Im Gegensatz zu Social Networking Platforms wie beispielsweise Twitter handelt es sich bei Slack um ein geschlossenes System, die Kommunikation ist also nicht von der Öffentlichkeit einsehbar. Echtzeitnachrichten werden in Slack standardmäßig in Teams und Channels geteilt, sind aber auch privat möglich. Channels schaffen themenbezogene Strukturierung innerhalb der Teams. Darüber hinaus erlaubt Slack die Kommunikation über integrierte Möglichkeiten für Videokonferenzen und Teilen des Bildschirms. Mit der Anbindung von Social Networking Platforms ermöglicht es einfaches Einbringen von Inhalten aus der Außenwelt. Durch die Integration von Apps schafft Slack Konnektivität zwischen verschiedensten Werkzeugen und bildet einen einheitlichen, zentralen Platz, wo diese zusammenlaufen (Dennerlein et al. 2016, S. 225): Seien es nun Onlinespeicher wie Dropbox oder Google Drive, Produktivitätstools wie Trello, der Google Kalender oder RSS-Feeds. Die umfassende Suche von Slack kann sogar Inhalte von angebundenen Dokumenten auf Onlinespeichern mitindizieren. Der Client ist weitgehend plattformunabhängig und sowohl auf Windows, Mac oder Linux-Desktops, als auch als App auf mobilen Geräten (iOS, Android) nutzbar.

 Abbildung 2: Aufbau von Slack

Vom Aufbau her besteht Slack aus einem zentralen Chatfenster, links davon befindet sich eine Übersicht der Channels und Teilnehmer und rechts eine Vielzahl von Navigationselementen. Mittlerweile hat sich auch die Anzahl der Mitbewerber am Markt vermehrt, vor allem Microsofts Teams hat sich durch das Office365-Angebot stark verbreitert. Offene Alternativen wie Mattermost oder Riot ermöglichen Hosting im eigenen Haus und mehr Datenschutz und Unabhängigkeit. Viele dieser Tools könnten ähnliche Möglichkeiten bieten – hier gibt es genug Themen für weitere Forschungen und Experimente.

Wie wurden wir im Studium durch Slack unterstützt?

Der Begriff der technischen Affordance umfasst mehr als die technische Funktion: Es handelt es sich um die „Möglichkeit von Handlungen, die durch das Zusammenspiel sozialer Kontexte, menschlicher Kompetenz und technischer Funktionen entstehen“ (Majchrzak et al. 2012).

Welche Affordances von Slack haben uns nun in Gruppenarbeiten, Projektarbeiten und letztendlich beim erfolgreichem Abschluss unserer berufsbegleitenden Weiterbildung so unterstützt, dass wir es als Hauptwerkzeug nutzten?

  • Benutzerfreundlichkeit
    Benutzerfreundlichkeit stellt einen essenziellen Faktor zur Unterstützung der Produktivität und Zusammenarbeit dar (Margulieux et al. 2016, S. 30) und beeinflusst den Lernprozess positiv: Um Störungen durch kognitive Belastungen zu vermeiden, muss das sogenannte Graphic User Interface (GUI) übersichtlich und aufgeräumt sein, die Navigation soll intuitiv sein, Symbole und Bezeichnungen eindeutig (Arnold et al. 2015, S. 76; Reeves und Carter 2001, S. 113).
    Das Design von Slack legt Fokus auf Übersichtlichkeit und kontextualisierte Einblendung von Funktionen. Beispielsweise resultiert die Einbettung eines Links in den Kommunikationsverlauf in einer minimierten Vorschau, die den Titel der Webseite, eine kurze Beschreibung und ein Thumbnail enthält (Sanders 2017). Die Integration von Apps macht den Dateiaustausch einfach und lässt Dateien ganz einfach in den Kommunikationsverlauf einbauen, zeigt zum Teil sogar eine kleine Vorschau Sogar der Inhalt von Dateien auf angebundenen Onlinespeichern wird von der Slack-Suche mitindiziert und wird damit bei der Suche gefunden. Der Slackbot funktioniert als Tutor und führt Neulinge anlassbezogen in Oberfläche und Funktionen ein.

 

  • Flexibilität
    Slack bot der Gruppe Mobilität, indem es Lernen und Abstimmung jederzeit und überall ermöglichte, weil es Clients für den Desktop und Apps für Mobilgeräte bereitstellte.

    Abbildung 3: FlexibilitätDie Integration und Anbindung einer Vielzahl von Apps wie beispielsweise Onlinespeicher machen Slack zu einer Brücke zwischen verschiedenen Lern- und Arbeitstools und ermöglichte einen nahtlosen Lernprozess. Wir waren durchwegs in der Slack-App eingeloggt und damit auch in den angebundenen Apps. Unterbrechungen durch Anmeldung in verschiedenen Tools und das Risiko von Einstiegsproblemen entfallen dadurch. Ebenso umschifften wir damit technische Aushandlungsprozesse und konnten sich auf die inhaltliche Arbeit fokussieren.
    Ein grünes Lämpchen neben dem jeweiligen Teammitglied – die Verfügbarkeitsanzeige ( Abb.1 links oben) – und ein bei Bedarf gesetzter kurzer Satz zur aktuellen Tätigkeit – der Onlinestatus – waren große Hilfen in der Koordination der Kommunikation über Distanzen, denn damit konnten wir Gesprächsbereitschaft signalisieren. Oder uns eben über den „Do-not-Disturb“-Modus Ruhe und Fokus verschaffen. Damit wurde der Austausch fließender und Kooperation leichter möglich. Das Organisieren eines gemeinsamen Zeitfensters fiel uns nun leichter.
    Wir nutzten darüber hinaus Benachrichtigungen. Diese können in Slack individuell und gezielt konfiguriert werden, indem Triggerpunkte und die Art der Alarmierung eingestellt werden. Solche Auslöser können etwa Nachrichten in einem bestimmten Kanal sein, eine bestimmte Person oder auch eine Message mit einem speziell definierten Schlagwort. Mit einer @Mentions-Funktion kann ebenso benachrichtigt und die Partizipation abwesender Gruppenmitglieder während einer Diskussion angefragt werden. Diese Funktionen erlaubten uns Flexibilität, weil sie uns entlasteten und wir unsere Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwenden konnten. In Moodle empfanden wir das Überprüfen auf neue Nachrichten und das Warten auf Feedback durchwegs als demotivierend.
    Als Metavoicing wird schnelles Feedback über Emojis bezeichnet. Diese Emojis können in Remotesituationen auch nonverbale Signale und Gefühle ausdrücken. Das ermöglichte uns sekundenschnelle Abstimmung und Priorisierung bei der Bearbeitung von Aufgaben.

    Abbildung 4: Metavoicing
    Die Möglichkeit den persistente Kommunikationsverlauf jederzeit einzusehen, verschaffte uns die Option Diskussionen nachzulesen oder gar im Nachhinein etwas beizutragen.

     

  • Wissensaustausch & Konnektivismus
    Der Konnektivismus rückt die Vernetzung in den Mittelpunkt. Bedeutungsvoller als der individuelle Wissenserwerb und der Besitz von Wissen werden die Verfügbarkeit des sich laufend verändernden kollektiven Wissens, die Partizipation daran und der Zugang dazu (Kerres 2012, S. 179; Siemens 2005). Der jederzeit verfügbare und auch nachgelagert durchsuchbare Kommunikationsverlauf förderte nicht nur das Lernen von anderen, selbstorganisiertes Lernen und informellen Wissenstransfer. Er vermied redundantes Arbeiten und sparte Zeit, weil Routineinformationen nicht mehr aktiv und wiederholt verbreitet werden mussten (Push), sondern sich die Mitglieder diese Informationen selbst suchten und holten (Pull) und zwar genau in dem Moment, wo sie relevant waren. Zusätzlich empfanden die Gruppe Sicherheit, weil es immer möglich war, nachzulesen. Das rasche Einbinden von externen Informationsquellen wie Links oder von anderen Medien erleichterte es, Wissen zu teilen und sich gegenseitig zu inspirieren.

 

  • Context Awareness
    Durch die Sichtbarkeit der Kommunikation bei allen Zusammenarbeitenden wird Sensibilität geschaffen für Dinge, die gerade Thema der Gruppe sind – Context Awareness. Sie verbessert den fachübergreifenden Wissensaustausch, Social Learning, Kollaboration und Kooperation, und wirkt sich positiv auf Arbeitseffizienz aus (Anders 2016, S. 231; Buxmann 2017).
    Funktionen wie @Mentions unterstützen die Diskussion im Kontext, weil Diskussionsteilnehmende benachrichtigt und zur Partizipation eingeladen werden können und direkt im Kontext einsteigen.
    Artefakte wie Dateien und Bilder werden direkt in den Kommunikationsverlauf eingebettet und stehen damit direkt im Zusammenhang, um dort ohne Brüche behandelt werden zu können. Dadurch wurde zielgenauer kommuniziert und Missverständnissen
    Genauso zielt die Einstellung von getriggerten Benachrichtigungen auf das Erfassen und Diskutieren im Kontext ab.

    Abbildung 5: Medien diskutieren im Kontext

     

  • Soziale Faktoren
    Das Erleben von sozialer Präsenz ist ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit von Studierenden in Online-Lernsettings und beeinflusst deren Aktivität, damit ist sie bedeutsam für den Lernerfolg (Kerres 2012, S. 191). Die Präsenz der anderen nahm die Gruppe intensiv durch Funktionen wie dem Verfügbarkeitsstatus, dem Onlinestatus oder dem raschen Feedback über Emojis wahr. Emojis verstärken den ungezwungenen und informellen Charakter von Messaging und erhöhen das soziale Engagement. Soziale Kohäsion („Wir-Gefühl“) definiert sich als „die Attraktivität der Gruppe für den Einzelnen sowie die Stärke des Wunsches, in der Gruppe zu bleiben und Anerkennung zu erhalten.“ (Kerres 2012, S. 185) und beeinflusst die Leistungserbringung eines Teams positiv (ebd.) Die Einsehbarkeit des für alle Teilnehmer laufend und offen verfügbaren Kommunikationsverlaufes, die einfache Handhabe zum Teilen von Wissen und Social Engagement wirkten sich positiv auf die Informationssymmetrie, unseren Zusammenhalt in der Gruppe und das „Wir“-Gefühl aus – Faktoren, die gerade in der Zusammenarbeit über verteilte Standorte als kritisch gelten.
    Oft erforderten Themen mehr als asynchronen Austausch und wir konnten durch Integration von Videocalls und die Anbindung von Apps für Videokonferenzen wie Skype jederzeit in die synchrone Kommunikation über Videochat wechseln.

     

  • Kollaboration und Kooperation
    Im Vergleich zu Email oder Moodle-Foren wurden wir mit Slack erst richtig zur Kollaboration und Kooperation in der Gruppe über entfernte Standorte hinweg befähigt. Durch integrierte Apps machte es Slack im Vergleich zu Moodle möglich Dokumente gemeinsam zu bearbeiten und im Kontext zu diskutieren oder zwischen asynchroner und synchroner Kommunikation zu wechseln. Rasches Feedback und Abstimmen über Emojis erlaubte es, schnell auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Durch Context Awareness erlebten wir die Kommunikation punktgenauer und gezielter. Der jederzeit einsehbare Kommunikationsverlauf in Verbindung mit der Suchfunktion erleichterte das Nachvollziehen von Arbeitsprozessen, die Reflexion der Kommunikation und brachte uns auf neue Ideen.
    Durch das großzügige Berechtigungssystem war die Gruppe nicht von Administratoren und Berechtigungen abhängig und Selbstinitiative (Generative Role Taking), sowie selbstorganisiertes Lernen wurden gefördert: Gruppenmitglieder übernahmen beispielsweise aus eigenem Antrieb die Strukturierung der Kommunikation in Channels.

    Abbildung 6: Kollaboration

Welche Herausforderungen gab es in Slack?

Anwenderinnen und Anwender waren durch die Vielzahl an Informationen und der drohenden kognitiven Belastung gefordert und mussten den Umgang mit neuen Gegebenheiten erst erlernen. Einige Affordances von Slack, wie der „Do-not-Disturb“-Modus oder das Triggern von Benachrichtigungen, nutzten wir zur Fokussierung und Allokation der Aufmerksamkeit. Das taten jedoch nicht alle Gruppenmitglieder. Die Nutzung dieser Features ist abhängig von der eigenen Medienkompetenz und damit nicht nur vom Wissen über die Funktion und deren technische Bedienung, sondern eben vom Umgang damit, der durch individuelles Empfinden, sowie Normen und Erwartungen in der Gruppe bestimmt wird.

Fazit

In der Analyse der Affordances von Slack wurde klar, wie sehr diese miteinander verwoben sind und sich wechselseitig beeinflussen und verstärken. Die Affordances dringen tief in bestehende Arbeitsroutinen und Praktiken ein und verändern diese, führen mitunter sogar zur Entstehung neuer Workflows. Beispielsweise das nachgelagerte Einsehen des Kommunikationsverlaufes oder das eigenhändige Strukturieren der Kommunikation in Kanäle.
Im Gegensatz zum lehrendenzentrierten Moodle stellt Slack die Lernenden in den Mittelpunkt und setzt damit optimal Konzept des Personal Learning Environments in die Praxis um: Es verbindet durch integrierbare Apps und Medien kleine, spezialisierte, von den Lernenden frei gewählte und favorisierte Technologien (Schaffert und Kalz 2001, S. 6). Diese werden durch Slack nicht nur in einem gemeinsamen kollaborativen Workspace für die Lerngruppe, sondern auch mit externen Quellen im Internet und sozialen Medien vernetzt. Die rasche und bedienerfreundliche Einbindung der Apps und deren Interkonnektivität machen nicht nur die einfache Implementierung einer adaptiven virtuellen Lernarchitektur für Studierende ohne jegliche Programmieraufwände für Schnittstellen praktikabel, sondern sie tragen und fördern zudem die Ideen des Konstruktivismus und Konnektivismus.
Aus Sicht von Bildungsinstitutionen und Lehrenden sind klassischen LMS-Funktionen, wie die Organisation von Kursen und Lehrgängen, Assessments, etc. erforderlich. Ein optimales Modell für den Einsatz von Slack als virtuelle Lernumgebung in Hochschulen wäre daher ein Paralleleinsatz als Ergänzung für Systeme wie Moodle als LMS und Mahara als E-Portfolioplattform. Manche Hochschulen wie etwa die FH Joanneum oder die Donau-Uni Krems haben Slack oder vergleichbare Tools mittlerweile für bestimmte Lehrgänge im Einsatz (Wittenbrink 2018).

Was bedeutet das nun für Corporate Learning

Die Digitalisierung und die VUCA-Welt stellen Unternehmen vor neue, komplexe Herausforderungen, die auch in die Aus- und Weiterbildung reichen: Aufgrund der Dynamik des erforderlichen Wissens müssen Weiterbildungen laufend, sowie anlass- und praxisbezogener erfolgen. Lebenslanges Lernen, informelles Lernen und learning on the job werden essentiell (Shaffer und Zalewski 2011). Eine offene Unternehmenskultur und das richtige Mindset bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind dafür Grundvoraussetzung. Ansätze wie „Working Out Loud“ zeigen den Pfad weg vom Silodenken. Sie werden mittlerweile von L&D-Abteilungen gefördert und angeboten: Es geht ums Transparentmachen der eigenen Arbeit, Offenheit gegenüber Kolleginnen und Kollegen, Großzügigkeit und um die Bereitschaft, sein Wissen im Unternehmen zu teilen (Stepper 2015). Letztere schafft die Basis für anlassbezogenes Peer Learning, welches aus meiner Sicht ein guter Hebel für die Herausforderungen des neuen Lernens sein könnte.

Slack und ähnliche TCPs unterstützen Methoden und Formen des neuen Corporate Learning in mehrerlei Hinsicht:

  • Die Transparenz des Kommunikationsverlaufes schafft eine gleiche Wissensbasis und vermittelt Metawissen. Die Teilnehmenden finden heraus, wer Experte für welche Themen ist und an welche Kolleginnen und Kollegen sie sich bei gewissen Problemstellungen wenden können. Auch zeitlich nachgelagert können sie den Kommunikationsverlauf einsehen und dadurch Themen reflektieren und lernen.
  • Context Awareness macht Lernen effizienter und anlassbezogen.
  • Kollaboration und Kooperation und damit Peer Learning oder das Lernen in der Gruppe werden durch Slack erleichtert, indem es eine Brücke zu verschiedenen Collaborationtools schlägt und dennoch die Kommunikation im Team in den Mittelpunkt stellt.

So die Theorie. Der Weg zu flächendeckenden Tests bei meinem Arbeitgeber ist noch weit. Richtlinien des Unternehmens – sowie der Kunden- und Partner, wie auch Datenschutzthemen und der erforderliche Wandel in Unternehmenskultur und Mindset machen viele vorbereitende Schritte notwendig. Ich bin überzeugt, dass wir uns dem Lernen von anderen Stück für Stück auch in digitaler Form nähern und Tools wie Slack oder Teams uns hier gut unterstützen werden.

 

Literaturverzeichnis

Anders, A. (2016). Team Communication Platforms and Emergent Social Collaboration Practices. International Journal of Business Communication 53 (2), 224–261. doi:10.1177/2329488415627273

Buxmann, P. (2017). Deutsche Social Collaboration Studie 2017 (Campana & Schott, Hrsg.). : Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt. https://www.campana-schott.com/de/de/social-collaboration-studie/?lipi=urn%3Ali%3Apage%3Adflagship3feed%3BRCVVLnfQS%2BSN2qx%2BrY%2BRGg%3D%3D. Zugegriffen 27.11.2017.

Dennerlein, S., Goldgruber, E., Gutonig, R. & Schweiger, S. (2016). Web 2.0 Messaging Tools for Knowledge Management? Exploring the Potentials of Slack. In Proceedings fo the 17th European Conference on Knowledge Management. Ulster University Northern Ireland, UK.1-2 September 2016. Reading: Academic Conferences and Publishing International Limited.

Goldgruber, E., Gutonig, R., Dennerlein, S. & Schweiger, S. (2016). Potenziale von „Slack“ im E-Learning. In J. Pauschenwein & J. Weinzödl (Hrsg.), Tagungsband 15. E-Learning Tag der FH JOANNEUM 2016 // E-Learning: Warum nicht? Eine kritische Auseinandersetzung mit Methoden und Werkzeugen : Tagungsband zum 15. E-Learning Tag der FH Joanneum am 15.9.2016 (S. 130–133).

Gomes, L. (2016). Slack. A service built for the era of mobile phones and short text messages is changing the workplace. MIT Technology Review. https://www.technologyreview.com/s/600771/10-breakthrough-technologies-2016-slack/. Zugegriffen 28.02.2020.

Kerres, M. (2012). Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote (Informatik 10-2012, 3., vollst. überarb. Aufl.). München: Oldenbourg.

Shaffer L. S., Zalewski J. M. (2011). Career Advising in a VUCA Environment. In NACADA Journal: Spring, Vol. 31, No. 1, pp. 64-74.

Stepper, J. C. (2015). Working out loud: For a better career and life (Vol. 10). New York: Ikigai Press.

Majchrzak, A., More, P. H. B. & Faraj, S. (2012). Transcending knowledge differences in cross-functional teams. Organiza-tion science : a journal of the Institute for Operations Research and the Management Sciences : bridging disciplines to advance knowledge of organizations 23 (4), 951–970.

Margulieux, L. E., Chen, D.-W., McDonald, J. D., Bujak, K. R., Gable, T. M., Darling, C. M., Schaeffer, L. M. & Barg-Walkow, L. H. (2016). Online Collaboration Applications Evaluated Based on Ease of Use. Ergonomics in Design 24 (2), 21–30. doi:10.1177/1064804615611273

Reeves, T. C. & Carter, B. J. (2001). Usability testing and return-on-investment studies. Key evaluation strategies for web-based training. In B. H. Khan (Hrsg.), Web-based training (1.print, ). Englewood Cliffs, NJ: Educational Technology Publications.

Sanders, J. (2017). Slack: The smart person‘s guide. techrepublic.com. https://www.techrepublic.com/article/slack-the-smart-persons-guide/. Zugegriffen 28.02.2020.

Schaffert, S. & Kalz, M. (2001). Persönliche Lernumgebungen: Grundlagen, Möglichkeiten und Herausforderungen eines neuen Konzepts. In A. Hohenstein & K. Wilbers (Hrsg.), Handbuch E-Learning. Expertenwissen aus Wissenschaft und Praxis ; [Strategien, Instrumente, Fallstudien ; mit CD-ROM] (Bd. 5, S. 1–24). Köln: Dt. Wirtschaftsdienst.

Siemens, G. (2005). Connectivism. A learning theory for the digital age. https://lidtfoundations.pressbooks.com/chapter/connectivism-a-learning-theory-for-the-digital-age/. Zugegriffen 28.02.2020.

Wittenbrink, H. (2018). Versuch zu erklären, wie wir Content-Strategie unterrichten. FH Joanneum. https://www.fh-joanneum.at/blog/versuch-zu-erklaeren-wie-wir-content-strategie-unterrichten/. Zugegriffen 28.02.2020.

Über den Impulsgeber

Markus Rauscher

Ich konzipiere digitale Lernsettings, wähle geeignete Bildungstechnologien und Medien aus und produziere multimediale Lernangebote. Die Verschmelzung von Weiterbildung mit der täglichen Arbeit und das informelle Lernen am Arbeitsplatz halte ich für essentiell und beschäftige mich mit Themen rund um New Work, Collaboration und Working Out Loud.

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