Teilgeber

Jan Foelsing

Jan Foelsing

Development & Innovation Lover; Gründer Learning Development Institute; LDframe.com Entwickler; EdTech-Tool-Nerd

Der Wandel des Arbeitsmarkts und seine Auswirkungen – Major upskilling ahead!

Alleine über diesen Teilaspekt unserer Transformation hin zur Netzwerkgesellschaft könnte man ein ganzes Buch schreiben.

Im Folgenden werde ich, ergänzend zu dem Digital Upskilling Impuls-Video (siehe: https://learningdevelopment.institute/home/skill-up-or-out-digital-upskilling-jan-foelsing/), einige der Umbrüche aufgreifen und damit versuchen, die Brisanz dieses Themas für unsere gesamte Gesellschaft weiter zu verdeutlichen.

 

Welche Faktoren verändern unseren Arbeitsmarkt?

Natürlich wirken viele Faktoren auf den Arbeitsmarkt ein. In 2020 und 2021 betrat bspw. aus dem „Nichts“ Corona die Bühne, mit massiven Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt. Aber auch die globalisierten Märkte, die Digitalisierung, der demographische Wandel sowie der Generations- oder besser Wertewechsel der Mitarbeitenden, wirken auf den Arbeitsmarkt ein. Zum Wertewandel haben wir ja bereits etwas in Kapitel 02 des begleitenden Buchs zu diesem Blog geschrieben. Hier wollen wir uns nun auf den Teilaspekt der Einflüsse der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt sowie dem dadurch notwendigen Skill Shift konzentrieren, da diese direkt mit unserer Arbeit im L&D Bereich zusammenhängen und in digitalen Remotezeiten stärker pressieren als je zuvor.

In einer Studie von Josh Bersin für Deloitte Consulting werden die 7 großen Disruptoren, die stark auf unsere Arbeitswelt einwirken, wie folgt, spezifiziert:

  1. Technologie ist überall angekommen
  2. Besonders KI, cognitive computing und robotics werden vieles verändern
  3. Der Tsunami an Daten bringt völlig neue Möglichkeiten mit sich
  4. Die steigende Diversity birgt viele Chancen, aber auch Konfliktpotenziale
  5. Der Wandel von Karrierepfaden (auch durch die sich verändernden Bedürfnisse der Mitarbeitenden)
  6. Die Explosion von Auftragsarbeit und Freelancern
  7. Arbeitsplätze, die anfällig für die Automatisierung sind

Quelle: https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/ca/Documents/audit/ca-audit-abm-scotia-insights-from-impact-2018.pdf

Auswirkungen

Alleine Aussagen wie: Bis 2025 können 40-60% der Tätigkeiten durch KI und datengetriebene Algorithmen ersetzt werden. Oder: Schon 2025 sollen laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums Maschinen mehr Arbeitsstunden erledigen als Menschen, sollten genug Anlass dazu geben, den Wandel der Arbeitswelt ernst zu nehmen.

Quellen: https://youtu.be/CgjHFsEUsAE

https://www.tagesspiegel.de/politik/digitalisierung-und-ki-wie-kuenstliche-intelligenz-die-arbeitswelt-veraendern-wird/23253582.html

 

„Die Digitalisierung führt zu einem historischen Wandel in der Arbeitswelt“, sagte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks (bereits 2016). „Neue, aufregende und anspruchsvolle Jobs entstehen. Sie setzen eine gute Ausbildung voraus und bieten dafür viel Gestaltungsspielraum und Verantwortung.“

Quelle: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Digitalisierung-schafft-neue-Jobs-fuer-Fachkraefte.html

 

In einer Studie der University of Oxford namens „The Future of Employment“ von Frey & Osborne aus dem Jahr 2013, in der über 700 Berufsgruppen untersucht wurden, konnte bereits klar herausgearbeitet werden, dass die Digitale Transformation vor allem im Industrie- und Produktionsbereich zu Arbeitsplatzverlusten führen wird. Aber darüber hinaus zum ersten Mal auch immer häufiger im Bereich industrieller Dienstleistungen, wie z.B. als Verkäufer, Sachbearbeiter, Buchhalter, Banker, Versicherungsfachangestellte bis hin zu Mechanikern und Handwerkern.

Quelle: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2017/neue-arbeit/gute-arbeit

 

Besonders vor dem Hintergrund, dass zum ersten Mal nicht mehr alleine verbesserte Hardware, sondern immer stärker Software den Unterschied wirtschaftlichen Erfolgs ausmacht, welche exponentielle Wirkmechanismen ermöglicht, sollten uns die möglichen Auswirkungen so schnell wie möglich ins Handeln bringen, um an diesem Wandel partizipieren zu können. Die Beta- bzw. digitale Netzwerkgesellschaft spricht Software, wie auch vom World Economic Forum erkannt wurde.

“Through new data sources, we can gain unprecedented insights into emerging opportunities for employment in the global economy, and granular understanding of the skill sets needed by professionals. This new data reveals that 96 jobs across seven professional clusters are fast emerging in tandem reflecting “digital” and “human” factors driving growth in the professions of tomorrow.”

Quelle: https://www.weforum.org/reports/jobs-of-tomorrow-mapping-opportunity-in-the-new-economy

 

In einer weiteren Studie aus dem Research Bereich der ING (Diba) Bank wurde zudem ermittelt, dass gerade durch die starke Industrielastigkeit Deutschlands, aber auch ihrer kulturellen Werte, bis zu 59 Prozent der Jobs gefährdet sind.

Quelle: https://www.ing.de/binaries/content/assets/pdf/ueber-uns/presse/publikationen/ing-diba-economic-analysis-die-roboter-kommen.pdf

 

Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, beauftragt durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), kam auf 42 Prozent Automatisierungspotenzial.

Quelle: https://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/Forschungsberichte/forschungsbericht-fb-455.html

 

Oder, wie es Jerry Kaplan 2015 in seinem Buch “Humans Need Not Apply: A Guide to Wealth and Work in the Age of Artificial Intelligence” beschrieb: Die jetzige Welle der Automatisierung “is blind to the color of your collar”. Es ist irrelevant, ob du ein Fabrikarbeiter, ein Finanzberater oder professioneller Flötenspieler bist, “automation is coming for you”.

Die 2020 und 2021 das Weltgeschehen dominierende Pandemie hat dies laut des World Economic Forums sogar weiter beschleunigt:

“COVID-19 has accelerated our transition into the age of the Fourth Industrial Revolution,” says Klaus Schwab, founder and executive chairman of the World Economic Forum. “We have to make sure that the new technologies in the digital, biological and physical world remain human-centred and serve society as a whole, providing everyone with fair access.”

Quelle: https://www.weforum.org/agenda/2020/09/short-history-jobs-automation

 

Es ist somit offensichtlich, dass die neue Welle der Automatisierung auch breite Teile der Mittelschicht in der DACH-Region mit in Bedrängnis bringen wird, falls wir nicht spätestens jetzt beginnen, uns die zukünftig weiter an Bedeutung zunehmenden Kompetenzen gezielt anzueignen.

 

Um das Bild nicht allzu negativ zu zeichnen, könnten wir uns auf der anderen Seite auch viel mehr über die Chancen der Digitalen Transformation freuen. Zumindest wenn wir die wahrscheinlichen Auswirkungen der neuen Automatisierungswelle auf unser noch vorherrschendes Wirtschaftssystem und die damit verbundenen gesellschaftlichen Auswirkungen einmal außer Acht lassen bzw. nicht dazu bereit sind, dieses grundlegend zu verändern.

Beispiel: Falls wir nicht beginnen, offener darüber zu diskutieren, ob bspw. Roboter- oder Software-Bot-Tätigkeiten besteuert werden sollten oder eine Art bindungsloses Grundeinkommen eingeführt wird, wird die neue Automatisierungswelle höchst wahrscheinlich zu gesellschaftlichen Verwerfungen führen.

Zwar gibt es auch einige Studien, die sogar davon ausgehen, dass durch die neue Automatisierungswelle mehr Jobs entstehen können als wegfallen, doch benötigen wir für diese ein ganz anderes Skill-Set wie heute. So ermittelte beispielsweise das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (2018), gefördert durch das BMBF, in dem Projekt: „Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit“, dass der digitale Wandel mehr Arbeitsplätze schaffen als zerstören kann, dabei jedoch Arbeitskräfte und Betriebe vor große Herausforderungen stellt. Damit die deutsche Wirtschaft auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibt, ist auch die Politik gefordert. Nur gemeinsam können wir die sich offenbarenden Chancen des Wandels für uns nutzbar machen.

„Um dem zu begegnen, besteht die eigentliche Herausforderung von Digitalisierung und Industrie 4.0 den Wissenschaftlern/-innen zufolge darin, die Arbeitskräfte gezielt auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorzubereiten und damit die Möglichkeiten jedes einzelnen zu verbessern, durch einen Wechsel in wachsende Branchen und Berufsfelder vom digitalen Wandel zu profitieren.“

Quelle: https://www.zew.de/presse/pressearchiv/die-digitalisierung-schafft-jobs-braucht-aber-gezielte-foerderung

 

Auch das World Economic Forum sieht gute Chancen, dass die neue Welle der Automatisierung sogar zu mehr neuen Jobs führen kann, als automatisiert werden.

„According to many estimates, there will be more jobs created over the next few years than lost by automation.“

Quelle: https://www.weforum.org/agenda/2020/09/short-history-jobs-automation

 

Nur sollten wir unsere Mitarbeitenden und Organisationen auch auf diese vorbereiten…

Ich persönlich, würde mir einen größeren Fokus auf die Chancen, bzw. eine positive Aufbruchsstimmung wünschen, als den Fokus auf das, was „wegbricht“.

Noch nie im Rahmen unserer gesamten Menschheitsgeschichte war es technisch, zumindest theoretisch möglich, dass auf Dauer niemand mehr zwanghaft arbeiten muss, um sich ernähren etc. zu können. Würde dies nicht nach einem erstrebenswerten Ziel klingen? Dies würde es ermöglichen, dass wir, wie im ursprünglichen New Work Sinne nach Frithjof Bergmann, echt, echt, ganz echt damit beginnen könnten die Tätigkeit zu finden und zu erlernen, auf die wir wirklich, wirklich Lust haben.

Zumindest unter der Annahme, wir als Gesellschaft wären dazu im Stande, die damit einhergehenden Auswirkungen auf die z.B. Kaufkraft, Verteilung von Wohlstand, … sinnvoll im Sinne unserer gesamten Gesellschaft zu gestalten.

Doch, falls man als Mensch in einer Gesellschaft nur dann einen „Wert“ besitzt, wenn man viel und hart arbeitet (erwirtschaftet), werden die Angst eines Arbeitsplatzverlustes und die negativen Auswirkungen auf unser Wirtschaftssystem dominieren, was die Gefahr von tiefgreifenden Existenzängsten und gesellschaftlichen Unruhen in den Vordergrund rückt, bzw. wahrscheinlicher werden lässt.

So oder so stehen wir vor dem vielleicht größten, notwendigen Bildungssprung und einer damit verbundenen Bildungsrevolution unserer Geschichte. Zu diesem Schluss kommt auch die 2020 von der IUBH Internationale Hochschule veröffentlichte Studie zum Thema Upskilling im Corporate Bereich. Dort heißt es beispielsweise:

„Neueste Studienerkenntnisse zeigen, dass die fortschreitende Digitalisierung einen enormen Einfluss auf den lokalen Arbeitsmarkt hat – und damit auch die Anforderungen an berufliche Weiterbildung grundlegend verändert.“

Quelle: https://www.iubh-fuer-unternehmen.de/wp-content/uploads/IUBH-Whitepaper-Trendstudie-Upskilling-2020.pdf

 

Wenn wir uns weitere Studien zur Arbeit der Zukunft anschauen, bspw. mit einem Fokus auf die den Arbeitsmarkt immer mehr „übernehmende“ „Generation Y und Z“, wird auch ersichtlich, dass unter den vorherrschenden Kontextbedingungen der VUCA-Welt der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz oder generell stabiler Rahmenbedingungen zunimmt.

So heißt es in einer Studie des ZukunftsInstituts und Signium International über die “Generation Y” (ich möchte hier noch kurz betonen, dass Wertemuster für mich nicht am Geburtsjahr festgemacht werden sollten, sondern eher daran, in welchem Kontext Menschen sozialisiert wurden bzw. leben.):

“In einer Welt, die sich ständig verändert, in der Lernen und die Anpassung an neue Gegebenheiten zum Dauerzustand wird, verändern sich die Prioritäten im Job, verändert sich die Einstellung zur Arbeit insgesamt. Fragt man die Generation Y, was ihnen an ihrer beruflichen Tätigkeit wichtig ist, zeigt sich ein völlig neues Selbstverständnis: Sie sind stärker intrinsisch motivierbar als jemals zuvor. Der Fokus hat sich unübersehbar in Richtung immaterieller Wertmuster verschoben. Softe Werte stehen auf der Bedeutungsskala der Generation Y ganz oben.”

Weiter heißt es:

“So viel Umbruch hat aber auch seine Schattenseiten. In der Befragung zeigt sich sehr deutlich, wie unsicher die allgemeine Lage von den Ypsilonern erlebt wird. Alles ist permanent in Bewegung, ein gemeinsames codiertes Weltbild gibt es nicht, morgen schon kann alles ganz anders sein als heute. Dies schlägt sich in der Befragung als tiefe Sehnsucht nach Stabilität nieder. Was Unternehmen ihnen bieten müssen und bieten können, ist Sicherheit und Verlässlichkeit.”

Quelle: https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Auftragsstudien/studie_generation_y_signium.pdf

 

Die Süddeutsche Zeitung sprach in diesem Kontext bereits 2014 von “Studenten streben in den Staatsdienst”.

“Welche Jobs sind für Studenten besonders attraktiv? Dieser Frage ist die Unternehmensberatung Ernst & Young nachgegangen und zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Den Nachfolgern der Generation Y geht es nicht mehr vorrangig um Sinn – sondern um Sicherheit.”

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/karriere/umfrage-zu-bevorzugten-arbeitgebern-studenten-streben-in-den-staatsdienst-1.2028390

 

Wie in allen Bereichen hat eine Medaille immer zwei Seiten. Das schier unendliche Mehr an Informationen und Möglichkeitsräumen führt u.a. zu einer gefühlten Überforderung, was den Wunsch nach mehr Sicherheit und Stabilität mit sich bringt.

Es bedarf also zum einen mehr an Orientierung, um mit den massiv wachsenden Informationsmengen umgehen zu können, aber gleichzeitig auch Unterstützung dabei, sich selbstverantwortlicher um seine persönliche Weiterentwicklung kümmern zu können.

Die hohe Notwendigkeit, besonders digitale Kompetenzen stärker auszuprägen, wird (zumindest ansatzweise) mittlerweile auch von der Bundesregierung erkannt:

“Wir wollen, dass alle Menschen die Chancen der Digitalisierung nutzen können. Sie sollen den digitalen Wandel selbstbestimmt mitgestalten und verantwortungsvoll mit den Risiken umgehen können. Deswegen müssen wir in die digitalen Kompetenzen der Menschen investieren. Dafür werden wir in allen Bereichen mehr Angebote bereitstellen und unser Bildungssystem noch stärker auf das digital geprägte Leben, die digitale Arbeits- und Wirtschaftswelt und die digitale Wissensgesellschaft ausrichten.”

Quelle: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/digitalisierung/die-digitalstrategie-der-bundesregierung-1549554

 

Wenn wir die Chancen der Transformation der Arbeitswelt für uns in der DACH-Region noch sinnvoll gestalten und nutzen wollen, ist es auch bitter notwendig, dass Bund, Länder und Organisationen besser zusammenarbeiten, da nicht nur die Halbwertszeit von Wissen, sondern auch die von Fähig- und Fertigkeiten, rückläufig ist.

Diese sank mittlerweile von 30 Jahren auf durchschnittlich 6 Jahre, so dass es für uns alle an der Zeit ist, mit dem Erwerb neuer Fähigkeiten zu beginnen, die uns zu wertstiftenden Unterstützern des zukünftigen Arbeitsmarkts machen.

Quelle: https://www.weforum.org/agenda/2018/09/here-are-seven-ways-your-job-will-change-in-the-future/

 

Um diesen massiven Skills-Wandel angehen zu können, stellt sich nun aber noch die Frage, welche Kompetenzen in Zukunft wichtiger werden?

 

Future Skills

Das Institute for the Future & das University of Phoenix Research Institute haben in einer Studie bereits 2011 einige notwendige Skills herausgearbeitet. Diese lauten:

Sense Making

Ist die Fähigkeit, den tieferen Sinn von etwas bestimmen oder die Bedeutung dessen, was zum Ausdruck gebracht wird, nachvollziehen zu können.

Novel and Adpative Thinking

Ist die Fähigkeit neue Lösungen, die über das Übliche und Regelbasierte hinausgehen, denken und entwickeln zu können.

Social Intelligence

Ist die Fähigkeit, sich mit Anderen in einer tiefen und direkten Art und Weise verbinden zu können, um Reaktionen zu spüren und Interaktionen anzuregen.

Transdisciplinarity

Ist die Fähigkeit, Konzepte, Ideen und Lösungen themenübergreifend und interdisziplinär zu verstehen.

New Media Literacy

Ist die Fähigkeit, Inhalte, die neue Medienformen nutzen, kritisch zu bewerten und selbst zu entwickeln sowie diese Medien für eine überzeugende, zielführende Kommunikation zu nutzen.

Computational Thinking

Ist die Fähigkeit, große Datenmengen in abstrakte Konzepte zu überführen und datenbasiertes Denken zu verstehen.

Cognitive Load Management

Ist die Fähigkeit, Informationen nach ihrer Bedeutung zu unterscheiden und zu filtern sowie zu verstehen, wie man seine kognitiven Fähigkeiten mit einer Vielzahl von Werkzeugen und Techniken maximieren kann.

Cross Cultural Competency

Ist die Fähigkeit, in verschiedenen kulturellen Umgebungen arbeiten zu können.

Design Mindset

Ist die Fähigkeit, Aufgaben und Arbeitsprozesse zu entwickeln und zu bearbeiten, um die gewünschten Ergebnisse zu erreichen.

Virtual Collaboration

Ist die Fähigkeit auch im digitalen Raum produktiv zusammenarbeiten zu können, sowie das Engagement anderer zu fördern, es einem gleichzutun.
–> Spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, sollte dies allen klar geworden sein.

Quelle: https://www.iftf.org/uploads/media/SR-1382A_UPRI_future_work_skills_sm.pdf

 

Die übersichtliche Visualisierung zu der Studie findet ihr hier:

https://www.iftf.org/fileadmin/user_upload/futureskills/downloads/IFTF_FutureSkills_Map.pdf

 

2018 definierte das Institute for the Future (IFTF) des Weiteren die folgenden 5 “super skills”:

Personal Brand – Make yourself known

Besonders in Netzwerken ist „sichtbar zu sein“ wichtig, sonst geht man in der Masse unter. Eine persönliche Marke zu bilden, die aussagt, für was man steht und wo man sich hin entwickeln möchte, hilft bei einer klaren Positionierung. Um in der Netzwerkgesellschaft erfolgreich sein zu können, wird es darum gehen, Reputation sowie vertrauensvolle und nachhaltige Beziehungen zu bilden und zu pflegen. Dazu gehört auch, eine Gefolgschaft (Follower) (du bist kein Leader, wenn du keine Follower hast) aufzubauen.

Digital Fluency – Befriend the machines

Die digitale Transformation wirkt sich auf jede Branche aus, und die Fähigkeit, sich mit der „Maschine“ anzufreunden und sinnvoll zu ergänzen, ist eine der kritischsten der fünf Fähigkeiten. Laut IFTF müssen wir lernen, wie man Teams aus Menschen, Robotern und Bots zusammenstellt und diese dabei unterstützt, produktiv zusammenarbeiten zu können. Die KI-gestützten Business Assistenten werden uns viele Aufgaben abnehmen, was schnell zu Bequemlichkeit führen kann. Wir müssen lernen, wie wir deren Intelligenz so “anzapfen” / uns zu Nutze machen, um Aufgaben zu erledigen, die wir zuvor nicht erledigen konnten. Welche Tools nutzen wir wann und für was? Dafür benötigen wir ein gutes Verständnis digitaler Tools und deren Möglichkeiten.

Connecter – Build your Tribe

In der Netzwerkgesellschaft sind Crowd- und Co-Konzepte wie Co-Working, Crowd-Sourcing, Crowd-Funding, Co-Creation, … der Standard. Ein stabiles und gesundes Netzwerk, einen persönlichen “Tribe” aufzubauen und zu pflegen, ist bekannterweise ein Garant dafür, auf Dauer erfolgreich am Arbeitsmarkt teilzunehmen. Wissen „anzusammeln“ ist zwar immer noch nicht verkehrt und in manchen Bereichen auch noch gleichzusetzen mit Macht, aber ein starkes Netzwerk ist mächtiger.

Making Sense of Complexity – Be open for it

Eine hohe Komplexität kann wie Chaos aussehen. Die Kunst wird darin bestehen, die einzelnen relevanten Punkte identifizieren und ihre Wechselwirkungen abschätzen zu können um neue Wege zu öffnen. Anpassungs- und Reflexionsfähigkeit wird notwendig sein, um “den Wald vor lauter Bäumen noch zu erkennen”. Zum stetigen Wandel gehört somit auch eine außerordentlich gute Lernfähigkeit, sich immer wieder auf neue Situationen einstellen zu können, ohne “den Kopf zu verlieren”.

Ein hohes Maß an Flexibilität hilft dabei, nach neuen Möglichkeitsräumen zu suchen und diese bei Bedarf zu öffnen. Manchmal muss man dazu auch einen Schritt zurück gehen, um eine neue Fähigkeit zu erlernen, um weiter nach vorne zu kommen. Die Karriereleiter wird dabei mehr zu einem Karrieregitter, zu einer Art lebendiger Kletterwand.

Resilience – Keep it going

In unserem persönlichen Leben ist eine hohe Widerstandsfähigkeit bzw. Belastbarkeit oft mit der sinnvollen Überwindung von Problemen und Hindernissen verbunden. Im geschäftlichen Umfeld hingegen hilft Resilienz dabei, Hindernisse in Lösungen und Chancen zu verwandeln. Dies kann sich auch positiv auf die Innovationskraft auswirken.

Dazu muss man sich darauf konzentrieren, negative Dinge davon abzuhalten, die positiven Möglichkeiten in einer bestimmten Situation zu “überwältigen”.

Belastbarkeit sowie der konstruktive Umgang mit Rückschlägen und (persönlichen) Problemen ist eine der wichtigsten Eigenschaften für jeden Menschen, unabhängig der ausgeübten Tätigkeit.

Quelle: https://www.fastcompany.com/40584248/these-are-the-5-super-skills-you-need-for-jobs-of-the-future

 

Ich könnte jetzt noch viele weitere Studien zu dem Thema hier auflisten. Die Evidenz ist erdrückend, aber handeln tun wir bis jetzt noch viel zu sporadisch und wenn, dann oftmals „nur im Silo“ unseres Unternehmens. Immer mehr Studien zeigen dabei klar die Wichtigkeit  auf, besonders Selbstlernkompetenzen sowie Digitale Skills zu stärken.

In der “Future of Skills” Studie von Pearson, nesta und der Oxford Martin School wurde bspw. “Strategic Learning” als wichtigste Kompetenz für 2030 angegeben. Auf Platz 10 folgte noch “Active Learning”.

Quelle: https://futureskills.pearson.com/research/assets/pdfs/technical-report.pdf

https://futureskills.pearson.com/research/#/welcome-video

 

Unter folgendem Link findet ihr auf einem „Open Upskilling Board“ noch viele weitere, kuratierte Informationen zu dem Thema. https://miro.com/app/board/o9J_lOkrXyI=/

 

Einer, der für mich aktuell großen Vordenker, Gunter Dueck beschreibt in seinen vielen Vorträgen, die häufig auch auf Youtube nachverfolgbar sind, die stärker benötigten Fertig- und Fähigkeiten, wie ich finde anschlussfähiger, da weniger technokratisch, sondern “menschlicher“ formuliert, wie folgt:

  • Kreativität, Originalität und Sinn für Humor
  • Konstruktiver, freudiger Wille
  • Initiative, die auf andere ausstrahlt
  • Gemeinschaftssinn, der andere mitnimmt
  • Gewinnendes Erscheinungsbild
  • Ausgewogenes Selbstbewusstsein
  • Vorfreude auf eine gute eigene Zukunft
  • Positive Haltung zur Vielfalt des Lebens
  • Liebende Grundhaltung zu Menschen

 

Zudem beschreibt er in einem seiner Impulse die Erweiterung des uns bekannten Intelligenzquotienten (IQ) um 6 weitere Formen von Intelligenz:

  • EQ – Verstehen, Hinhören und Teamfähigkeiten (Empathie) – Der EQ ist ja bereits nichts neues mehr und wurde auch in den zuvor gezeigten Studien oder Artikeln als wichtige Fähigkeit genannt.
  • CQ – Kreativität, “neugierig-offen” – Oder angelehnt an Steve Jobs, der sagte: “Stay open, stay foolsih”
  • AQ – Talent für Attraktion – Gunter Dueck ergänzt diesen durch die Wortschöpfung “Intropathie”, also die Kunst Gefühle in Menschen zu erzeugen, die dem Individuum noch nicht bewusst sind. Sie zu begeistern und mitreißen zu können.
  • VQ – Vitalität, Wille und Energie – Hier passt eines der Zitate von Steve Jobs sehr gut: “Stay hungry, stay foolish”
  • MQ – Meaning, Sinn für Sinn – oder neudeutsch auch Purpose
  • PQ – Professionalität als integrierendes Leitprinzip

Quelle: https://youtu.be/KNkD9DKVoPg

 

Zentral wird nun sein, unser Verständnis von Lernen im 21. Jahrhundert neu zu denken bzw. „upzuskillen“, um diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung anzugehen. Das begleitende Buch zu diesem Artikel soll euch genau hierfür weitere Perspektiven auf „New Learning“ ermöglichen.

Betonen möchte ich abschließend zu diesem Impuls noch, dass es an uns liegt aktiv zu entscheiden, welche Entwicklungen wir in welcher Form nutzen wollen und welche nicht. Nur in dieser Rolle können wir Gestalter unserer Zukunft sein – tun wir das nicht, gestaltet die Zukunft uns.

So war im 19. Jahrhundert das größte Unternehmen der Welt beispielsweise eine Postkutschen-Firma. Gibt es diese noch? Vielleicht haben auch Organisationen eine Halbwertszeit, da es diesen gewachsenen Systemen und den darin agierenden Individuen wohl offensichtlich nicht leichtfällt, sich ständig anzupassen und teilweise sogar neu zu erfinden. Wer im Rahmen der Netzwerkgesellschaft noch marktfähig bleiben möchte, kommt um einen wirklichen Wandel nicht herum. Oder man gründet neue Firmen, die auf der “grünen Wiese” starten können, ohne die vielen, historisch gewachsenen “Altlasten”. Vielleicht ist dies sogar der sinnvollere Weg?

Wie seht ihr das? Schreibt dazu gerne einen Kommentar auf z.B. eurem Blog oder LinkedIn unter der Angabe des #-tags #LDi bzw. verlinkt mich gerne darauf, dass ich es auch sicher mitbekomme. Ich würde mich freuen, eure Gedanken zu dieser Herausforderung zu erfahren.

Über den Impulsgeber

Jan Foelsing

Jan ist Learning und NewWork Designer.
Bis 2021 arbeitete er in Teilzeit an der Hochschule Pforzheim im Bereich der Erprobung moderner Lernformate in Verbindung mit digital gestützter Zusammenarbeit / Social Collaboration.
Aus den Erkenntnissen entstand auch das Learning Development Institute. Zudem ist er als freier Berater und Speaker tätig, sowie im Startup Bereich aktiv.
Sein Ziel ist es die künstliche Trennung zwischen Arbeiten und Lernen aufzulösen und Lernen bedürfnisorientierter sowie wertschöpfender zu gestalten. Und dies natürlich mit einer passenden, digitalen Unterstützung.
Seine Leidenschaft ist es die neuen Lern- und Arbeitswelten aktiv zu erkunden und mitzugestalten. - Learning by doing.

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